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Im Mai 1974 nehmen die beiden deutschen Staaten offizielle Beziehungen auf.

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Der Bonner Ministerialbeamte Hans-Otto Bräutigam trifft mit einem sogenannten Vorauskommando in Ost-Berlin ein.

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Sein Dienstsitz, die Ständige Vertretung, ist noch eine Baustelle.

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Vorerst residieren die West- Diplomaten im Hotel „Unter den Linden“.

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Gleich nach seiner Ankunft empfängt Bräutigam dort die ersten Besucher – vor allem Ausreisewillige DDR-Bürger.

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Da wurde mir eigentlich klar, welche menschliche Dimension die deutsche Teilung hatte.

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Das wusste ich in der Theorie auch vorher schon, aber wenn man dann unmittelbar mit solchen Schicksalen konfrontiert wird –

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ein Kind mit dreizehn oder vierzehn Jahren, das nicht zu den Eltern ausreisen kann, dann ging einem das nahe.

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Sechs Wochen später ist das „Weiße Haus“ fertig, wie die „Ständige Vertretung“ im Volksmund heißt.

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Ein Stück Bundesrepublik im Zentrum von Ost-Berlin.

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Hausherr ist Günter Gaus, der erste sogenannte „Ständige Vertreter“.

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Staatssekretär Gaus sagte, bevor er seinen Amtssitz betrat:

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Es gehe ihm vor allem darum, die menschlichen Kontakte zwischen beiden deutschen Staaten zu entwickeln.

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Wir haben zu Empfängen 100 bis 200 Leute eingeladen und man konnte sozusagen miteinander reden.

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Es konnten auch DDR-Bürger mit ihren Funktionären dort reden, wozu sie sonst vielleicht gar keine Möglichkeit hatten.

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Und meistens gab es einen Anlass für solche Empfänge.

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Wir haben immer auch West-Berliner und Westdeutsche dazu eingeladen, so dass das ein Ost-West-Dialog wurde.

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Die Mitarbeiter der ständigen Vertretung leben und arbeiten in Ost-Berlin.

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Ihre Kinder gehen in West-Berlin zur Schule. 

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Auch viele Freunde und Verwandte leben dort. Ein Alltag zwischen Ost und West.

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Wir gingen eben manchmal auch abends in die Philharmonie, und das war eben auch nicht weit, wir wurden eben nicht aufgehalten an der Grenze.

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Wir konnten also gewissermaßen uns..., wir wurden kontrolliert, mussten die Ausweise zeigen, wurden aber dann durchgewinkt.

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Und für uns war die Stadt bis zu einem gewissen Grade noch eine Einheit.

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Oder, ist vielleicht nicht das richtige Wort, wir lebten letztlich noch in einer Stadt.

