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Werner Grützmann ist sich sicher: hier ist es gewesen.

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Mit Schwung und fast 80 Jahren stürmt der ehemalige Feuerwehrmann die Böschung hinab.

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Bis heute ist in seinem Gedächtnis fest eingebrannt, was er im Winter `62 hier erlebt hat.

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Wir sind am 27. Dezember nachts alarmiert worden und zwar zum Einsatz „Person am Wasser“ am Teltow-Kanal, Spätbrücke.

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Damals ist Werner Grützmann bereits seit 5 Jahren Feuerwehrmann.

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In West-Berlin für einen 30-Jährigen ein attraktiver Beruf:  gut bezahlt, gewürzt mit einer Portion Abenteuer und dennoch sozial abgesichert.

00:39.855 --> 00:45.414
Steigt ein!

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Am 13. August 1961 ist er auf der Wache Britz stationiert. Über Funk kommt die Meldung vom Mauerbau.

00:53.909 --> 00:57.454
Es ging wie ein Lauffeuer durch die ganze Wache.

00:57.454 --> 01:08.621
Wir waren natürlich entsetzt. Auf der anderen Art, konnten wir uns nicht vorstellen, dass es was seien sollte, was länger dauern würde.

01:08.621 --> 01:13.219
Wenige Tage später: der erste Einsatz an der Grenze.

01:13.219 --> 01:18.941
Es geht in die Harzer Straße. Der Befehl lautet schlicht: Sprungtucheinsatz.

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Wir sind dann ohne Blaulicht und Sirene – das war die Vorgabe von oben – zur Einsatzstelle gefahren.

01:28.494 --> 01:36.438
Soweit ich mich erinnere, ist dann ein junger Mann von oben, etwa aus der dritten Etage, ins Sprungtuch gesprungen.

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Vom Dach aus wurden Farbbeutel geworfen.

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Und zwei, drei unserer Kollegen wurden von den Farbbeuteln teilweise getroffen und hatten verschmutzte Uniformen.

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Doch schnell werden klassische Löscheinsätze für Werner Grützmann und seine Kollegen wieder Alltag.

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An Mauer und Stacheldraht kommt er nur wenige Male.

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Bis 1962 kurz nach Weihnachten jener Hilferuf vom Teltowkanal kommt.

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Wir sind dann mit einem Löschgruppenfahrzeug und angehängtem Schlauchboot mit Anhänger  zum Teltow-Kanal gefahren.

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Und haben dann, als wir gemerkt haben, dass auf der anderen Seite eine Person um Hilfe ruft - zwar nur leise -  das Schlauchboot bereit gemacht 

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Die Wasserspritzer, die beim Rudern auf die Außenhaut des Schlauchboots spritzten, die froren sofort.

02:33.399 --> 02:37.921
Es waren so Minus 10 Grad oder etwas darüber.

02:37.921 --> 02:47.602
So dass wir also auch im Boot sitzend, das Gefühl hatten wir sitzen auf Eis. So kalt war der Bootsboden!

02:47.602 --> 02:57.488
Auf der Uferböschung der Ostseite lag eine männliche Person und mit unserer Hilfe ist er dann in unser Boot eingestiegen.

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Und wir sind zurckgefahren über den Teltow-Kanal auf die West-Seite.

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Wir haben dann an der Einsatzstelle noch von dem Herrn erfahren, dass er an der Hochspannungsleitung entlang geklettert ist,

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ihn die Kraft verlassen hatte und abgestürzt ist auf die Uferböschung.

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Der Mann heißt Horst Klein und ist Zirkus-Artist.

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Über mögliche Gefahren bei seiner Rettung hat Werner Grützmann damals nicht nachgedacht:

03:28.366 --> 03:31.299
Ich glaub dafür war ich damals noch zu Jung.

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Es ging ja auch immer darum, Leute aus dem Osten in den Westen zu holen.

03:36.893 --> 03:44.263
Da haben wir eigentlich alles gemacht, um denen zu helfen.

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Viel später erst hört Werner Grützmann, dass der Artist schnell in die DDR zurückgekehrt ist – aus Liebeskummer.

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Er sitzt zwei Jahre wegen Republikflucht und wird dann wieder in den Westen abgeschoben.

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Ein Schicksal, von dem an der Spätbrücke heute niemand mehr etwas ahnt.

