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Es ist immer ein bisschen wie Nachhausekommen für Helga Kempa 	und ihre Tochter Sabine Reinold.

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Über 30 Jahre haben sie in der Villa Schöningen gelebt, direkt an der Glienicker Brücke.

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Damals war hier ein Kinderheim untergebracht; Helga Kempa hat es geleitet.

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Wo heute eine Ausstellung an die Geschichte des Hauses erinnert, betreute sie damals bis zu 100 Kinder.

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Es waren hier schöne Jahre und sehr, sehr zu Herzen gehende negative, wie dann die Grenze gezogen wurde.

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Das sind mir wieder so Momente, dass ich immer sage:

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„Mein Gott, was kann ein Mensch überstehen und immer wieder kommt die Erinnerung  rauf.“

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Die Erinnerung an den Tag des Mauerbaus hat sich beiden Frauen 	besonders eingeprägt.

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Von diesem Balkon aus, nur wenige Meter von der Grenze entfernt, haben sie beobachtet, wie Soldaten frühmorgens die Straße abriegelten.

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Sabine Reinold war damals erst sechs Jahre alt.

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Also ich bin hier durchs Haus schreiend gerannt, weil ich meine Eltern gesucht hab.

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Ich sah dann hier meine Mutter weinend stehen und hörte auch ganz viele Menschen.

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Ich bin dann sofort auf den Balkon und sah dann Menschen aus Berlin kommen bzw. nach Berlin strömen.

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Es war schlimm, es war furchtbar schlimm.

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Nur weinende und schreiende Menschen. Ich hab als Kind ja nicht gewusst, worum es hier eigentlich geht

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Es war grauenvoll für mich.

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Es war Wochenende.

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Ein Viertel der Potsdamer war drüben in West-Berlin und ein Viertel der West-Berliner hatte ja hier Verwandte.

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Es war im Nu, war es zu.

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Es kam keiner rüber.

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Die Potsdamer, die nach Hause wollten, kamen nicht rüber, und hier waren viele Berliner, die auch nach Hause wollten.

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Es hat sich hier was abgetan, mir tat sich mein Herz zusammen.

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Und ich stand dann hier, bis man mir auch sagte „Vom Balkon weg!“

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Ab diesem Tag lag das Kinderheim im Sperrgebiet - Von Stacheldraht umzäunt, Zugang nur mit Passierschein.

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Schwierige Bedingungen für ein unbeschwertes Kinderleben.

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Trotzdem versucht Helga Kempa ihren Schützlingen ein Gefühl von Geborgenheit und Normalität zu vermitteln.

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Ohne die Wirklichkeit auszublenden.

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Oft ein schwieriger Spagat.

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Unsern Grenzern, zum Tag der Armee, haben wir denen Lieder vorgetragen.

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Die kleinen Mädchen haben da Volkstänze gemacht. 

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Wir waren eine Familie  – die 	gehörten zu uns und wir gehörten zu denen.

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Aufgewachsen direkt am Todesstreifen.

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Tochter Sabine konnte sich damit nie richtig arrangieren.

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Ganz schlimm waren diese Situationen, dass hier Schüsse fielen.

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Selbst im Jahr als unsere Tochter geboren wurde, 82,  haben wir hier mitbekommen, dass auf einen Menschen geschossen wurde.

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Und das hat uns ganz, ganz arg getroffen.

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Weil wir uns dachten, wir hätten ja auch zu dieser Zeit hier lang gehen können und es hätte uns ja auch die Kugel treffen können

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Wenig später ist Helga Kempa in Rente gegangen, die Familie Mitte der 80er ausgezogen.

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Geblieben sind zwiespältige Erinnerungen an die Jahre im Schatten der Mauer.

