﻿WEBVTT

00:00.000 --> 00:07.611
Als das Brandenburger Tor dicht gemacht wird, versteht Wilfried Mommert die Welt nicht mehr.

00:10.483 --> 00:16.015
Ich war erst 16 Jahre alt, habe Nachrichten gehört und bin sofort hergefahren.

00:16.015 --> 00:24.665
Wir sahen mit entsetzen, die sogenannten Volkskampfgruppen und andere Volkspolizeieinheiten mit Maschinenpistolen.

00:24.665 --> 00:27.700
Das war für uns Berliner unfassbar!

00:27.700 --> 00:30.066
Wir sind ja jeden Tag hier durch gegangen.

00:30.066 --> 00:32.221
Das war für uns ein solcher Schock.

00:32.221 --> 00:37.691
Als der Stacheldraht ausgerollt wurde, haben wir gerufen:

00:37.691 --> 00:42.859
Weg mit dem Stacheldraht und Spitzbart muss weg – das war damals Walter Ulbricht.

00:42.859 --> 00:51.656
Da haben uns die West-Berliner Polizisten und auch die britische Militärpolizei hinter den sowjetischen Ehrenmal in Schach gehalten.

00:51.656 --> 00:57.246
Bilder, die den späteren Kulturjournalisten der Deutschen Presse Agentur noch immer bewegen.

01:06.369 --> 01:14.501
Er lehnt sich auf gegen Stacheldraht und Mauerbau. Schon als Jugendlicher.

01:14.501 --> 01:21.097
Wir haben als Demonstranten vor dem Ehrenmal stehen müssen.

01:21.097 --> 01:28.072
Da waren die ersten Absperrgitter aufgestellt worden, sowohl von der West-Berliner Polizei als auch von der britischen Militärpolizei.

01:28.072 --> 01:34.073
Es gab vereinzelte Jugendliche die durchgebrochen sind und zum Brandenburger Tor gerannt sind.

01:34.073 --> 01:40.145
Die wurden dann von West-Berliner und Ost-Berliner mit Wasserwerfern bekämpft.

01:40.145 --> 01:47.552
Wir haben dann hier gestanden und hilflos gerufen: Stacheldraht weg und v.a. schämt Euch!

01:49.693 --> 01:57.367
Auch am Checkpoint Charlie macht Wilfried Mommert seiner Wut Luft.

02:02.580 --> 02:07.369
Er fühlt sich hilflos gegen ein Grenzregime, das die Stadt auf einen Schlag verändert. 

02:07.369 --> 02:17.050
Der Checkpoint Charlie war für uns ein Angstmoment, als sich hier plötzlich die russischen und amerikanischen Panzer gegenüberstanden.

02:17.050 --> 02:23.161
Da wussten wir nicht, wie es weiter geht. Das war für uns sehr beängstigend.

02:29.986 --> 02:35.087
Aber hier spielten sich auch zum Teil interessante und dramatische Fluchten ab.

02:35.087 --> 02:40.776
Auch wurde hier mancher Fluchtversuch gestoppt.

02:40.776 --> 02:52.554
Dramatisch – noch im Rennen über die Grenzanlagen, noch mit gezogenen Pistolen eingeholt und überwältigt.

02:52.554 --> 02:54.431
Solche Bilder vergisst man nicht!

02:57.367 --> 02:59.548
Ein Jahr später. Wieder im August.

02:59.548 --> 03:07.010
Nur ein paar hundert Meter vom 	Checkpoint entfernt, macht Peter Fechter einen Fluchtversuch und wird erschossen.

03:07.010 --> 03:12.434
Am Todesstreifen in der Zimmerstraße. Ein Poteststurm bricht los.

03:12.434 --> 03:23.898
Diese Bilder, die sich schon tagsüber im Fernsehen verbreiteten, haben uns dazu veranlasst, hier zu demonstrieren am selben Abend.

03:23.898 --> 03:29.246
Da spielten sich dann für uns bittere Bilder und Situationen ab.

03:29.246 --> 03:35.614
Als wir mit Steinen auf die VoPos warfen und immer wieder 'Mörder' riefen,

03:35.614 --> 03:44.111
ging die West-Berliner Polizei mit Wasserwerfern und Knüppeln auf uns los, um uns von der Mauer wegzudrängen.

03:44.111 --> 03:53.206
Natürlich auf alliierten Befehl, die unvorhersehbare oder unüberschaubare Zwischenfälle!

03:53.206 --> 03:58.931
Mommert ist wütend auf die West-Berliner und alliierten Einsatzkräfte, die ihn zurückdrängen.

03:58.931 --> 04:06.239
Ihn, den jungen Westberliner, der als Fünfjähriger mit seinen Eltern aus der Mark Brandenburg geflohen war. In die Freiheit.

04:10.471 --> 04:12.967
Wir waren plötzlich eine eingemauerte Stadthälfte.

04:12.967 --> 04:19.499
Das war schon bitter, das hatte ja auch schon ziemlich dramatische Folgen im Gesamtgefüge der Stadt

04:19.499 --> 04:25.089
Viele haben die Westhälfte verlassen aus Angst oder wirtschaftlichen Gründen.

04:25.089 --> 04:35.036
Da gab es dann ja richtige Notprogramme, die aufgelegt wurden, auch mit Hilfe des Bundes, um diese Stadthälfte am Leben zu halten.

04:35.036 --> 04:38.669
Viele haben auch die Flucht in die  Westen angetreten.

04:38.669 --> 04:42.809
Das waren dann die anderen Fluchttendenzen, die es gab.

