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00:00.000 --> 00:07.263
Bis heute macht es Manfred Doro glücklich, Züge in Richtung Berlin abfahren zu sehen, auch wenn es keine S-Bahnen mehr sind.

00:07.263 --> 00:14.397
47 Jahre hat er auf dem Bahnhof Falkensee gearbeitet, seit 1961 als Stationsvorsteher.

00:14.397 --> 00:19.796
So manchen Schatz aus seiner Dienstzeit hat er nach seiner Verrentung in die Gartenlaube gerettet.

00:19.796 --> 00:27.368
Darunter auch den 	Befehl des DDR-Verkehrsministers vom Tag des Mauerbaus, alle S-Bahn-Züge nach West-Berlin anzuhalten.

00:28.695 --> 00:33.615
Nachts kam das, gegen 1 Uhr, wie ich das in Erinnerung habe.

00:33.615 --> 00:40.417
Als ich einen Anruf bekam, vom Stellwerk, vom Fahrdienstleiter, ich möchte zum Stellwerk kommen.

00:40.417 --> 00:48.549
Dann bin ich rüber zum Stellwerk und da standen zwei Mann und haben mir diesen Befehl überreicht. Damit war die Sache besiegelt.

00:48.549 --> 00:52.112
Da war man erstmal ein bisschen geschockt.

00:52.112 --> 01:01.490
Und ich hatte ein bisschen ne Stimmung, aber wie gesagt, wir mussten damit fertig werden.

01:01.490 --> 01:08.807
Manfred Doro fügt sich dem Befehl von ganz oben und unterbricht die Verbindung zwischen Falkensee und Berlin.

01:08.807 --> 01:13.204
Ähnliches erleben S-Bahner und Fahrgäste im gesamten Berliner Umland.

01:13.204 --> 01:23.846
Endstation Mauer: Auch von Oranienburg, Velten, Potsdam, Stahnsdorf, Teltow und Rangsdorf fährt ab sofort keine S-Bahn mehr nach Berlin.

01:23.846 --> 01:28.281
Eine 	Unterbrechung auf Dauer, das wird schon bald klar.

01:28.281 --> 01:33.495
In den ersten Tagen des Mauerbaus werden die Gleise mit Stacheldraht und Prellböcken abgesperrt.

01:33.495 --> 01:40.974
Später Schienen und Brücken oft sogar ganz abgebaut oder Strecken so verlegt, dass sie West-Berlin umgehen.

01:40.974 --> 01:48.975
Der Journalist 	Manuel Jacob hat ein Buch über die Teilung des S-Bahn-	Netzes am 13. August 61 geschrieben.

01:48.975 --> 01:52.781
Und deren Auswirkungen auf die Bewohner der Berliner Vororte 	erforscht.

01:54.356 --> 02:02.519
Man muss sich vorstellen, westliche Vororte waren ja zum Beispiel die Bezirkshauptstadt Potsdam mit über 100.000 Einwohnern

02:02.519 --> 02:05.423
Oder Zentren wie Falkensee und Oranienburg.

02:05.423 --> 02:15.456
Dass Bereiche wie Stahnsdorf oder Kleinmachnow nach diesen Ereignissen ohne Bahnanschluss waren, war das ein großes Problem.

02:15.456 --> 02:19.930
Für den S-Bahnhof in Stahnsdorf gibt es nun keine Verwendung mehr.

02:19.930 --> 02:22.868
Er wird wenige Jahre nach dem Mauerbau abgerissen.

02:22.868 --> 02:30.215
Nur noch versteckte, zugewachsene Überreste im Wald zeugen heute davon, dass hier bis vor 50 Jahren noch Züge hielten.

02:32.636 --> 02:39.923
Herbert Skalla hat die letzte S-Bahn von Stahnsdorf nach Berlin-Wannsee gesteuert, bevor auch hier der Betrieb eingestellt wurde.

02:42.275 --> 02:47.996
Und dann hatte ich Feierabend und ich wollte nach Hause und der S-Bahnzug ging ja nicht mehr nach Stahnsdorf.

02:47.996 --> 02:49.428
Ich habe ja in Stahnsdorf gewohnt.

02:49.428 --> 02:55.151
Und dann habe ich kurzer Hand entschlossen, zu Fuß die 15 Kilometer nach Stahnsdorf, immer den Gleisen entlang.

02:55.151 --> 03:00.202
Zu Fuß konnte er noch am Tag des Mauerbaus ungehindert die Grenze passieren.

03:00.202 --> 03:02.773
Ein Zug ist hier seit dem nicht mehr gefahren.

