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00:00.000 --> 00:05.510
Die S-Bahn im Westteil der Stadt soll künftig unter der Regie des West-Berliner Senats fahren.

00:05.510 --> 00:09.345
Bislang hatte in ganz Berlin die Ost-Berliner Reichsbahn das Sagen.

00:09.345 --> 00:10.768
Auf Weisung der Alliierten.

00:10.768 --> 00:14.242
Kaum ein West-Berliner benutzt deshalb die „Honecker“-Bahn.

00:14.242 --> 00:20.036
Gleise und Bahnhöfe verrotten, der DDR beschert die West-S-Bahn Millionenverluste.

00:20.036 --> 00:27.280
9. Januar 1984. Nach monatelangen Verhandlungen übernimmt die West-	Berliner BVG den Betrieb.

00:27.280 --> 00:33.374
. Fast ein Volksfest: die Jungfernfahrt mit der neuen West-S-Bahn vom Anhalter Bahnhof nach Lichtenrade.

00:33.374 --> 00:38.259
Für S-Bahn Mitarbeiter, die im Westen leben, ändern sich nur Uniform und Dienstherr.

00:38.259 --> 00:40.370
Sie werden von der BVG übernommen.

00:40.370 --> 00:44.737
Der Ost-Berliner Lokführer Dieter Müller dagegen bleibt bei der DDR-Reichsbahn.

00:44.737 --> 00:46.854
Er liefert den letzten Zug im Westen ab.

00:46.854 --> 00:48.862
Und geht zu Fuß zurück in den Osten.

00:48.862 --> 00:55.173
Ich hätte auch auf die Straße rausgehen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Friedrichstraße oder Grenzübergang.

00:55.173 --> 01:00.042
Aber da war mir wieder das Fahrgeld zu schade.

01:00.042 --> 01:06.119
Ich hatte mich vorher angemeldet, dass ich wie ein Streckenläufer durch den Tunnel zurückkomme.

01:06.119 --> 01:09.935
Und da bin ich durch den Tunnel vom Anhalter nach Friedrichstraße gelaufen.

01:09.935 --> 01:15.741
Durch den Tunnel von West nach Ost – schon wenige Tage später rücken hier die Bautrupps an.

01:15.741 --> 01:20.287
So marode ist die Infrastruktur, dass die DDR noch nicht einmal Geld dafür verlangt.

01:20.287 --> 01:27.224
Der Westberliner Senat wird in den kommenden Jahren allerdings eine Milliarde D-Mark investieren, um das Netz auf Vordermann zu bringen.

01:27.224 --> 01:33.943
Auf einigen hundert Metern Westgleis behält die Ost- Reichsbahn aber auch nach dem Betreiberwechsel die Kontrolle.

01:33.943 --> 01:38.420
Kurz hinter der Grenze, am Lehrter Stadtbahnhof, übernimmt ein Reichsbahner den Zug.

01:38.420 --> 01:41.069
fährt ihn zur Friedrichstraße und wieder zurück.

01:41.069 --> 01:46.770
Er soll während der heiklen Fahrt durchs Grenzgebiet sicherstellen, dass sich in den Zügen keine Flüchtlinge verstecken.

01:48.156 --> 01:55.577
So `ne blaue Lampen waren an den Gitterzäunen angebracht, und wenn die aufleuchteten, mussten wir wieder anhalten mit dem Zug.

01:55.577 --> 02:03.934
Und da hatten sie Angst, dass der Westberliner Kollege, der nicht anhält, einfach doch mit dem Zug durchfährt und eben bis Lehrter fährt.

02:03.934 --> 02:08.903
Wir wurden eben darauf eingeschworen, das wir eben dort zu halten haben.

02:08.903 --> 02:13.465
und erst die Grenzer den Zug durchsuchen, falls dort ein Republikflüchtiger drinne war.

02:13.465 --> 02:21.799
Dieter Müller ist einer von 10 Ost-Berliner Reichsbahnern, die auf dieser Strecke pendeln, zwischen Ost- und West, bis zu 30-mal am Tag.

02:21.799 --> 02:23.802
Eine echte „Grenzerfahrung“.

02:23.802 --> 02:28.918
Ich hatte ja mehr Kontakt zu den West-Berliner Kollegen als zu unseren im DDR-Bereich.

02:28.918 --> 02:33.943
Wenn ich da hinkam, war ich immer der West-Berliner, und wenn ich nach West-Berlin kam, war ich immer der Ossi.

02:33.943 --> 02:38.098
Ich hing immer zwischen Baum und Borke.

