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Ost-Berliner Fußballfans müssen sich 1978 zwischen dem BFC Dynamo, dem sogenannten „Stasiverein“, und „Eisern Union“ entscheiden.

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Der 1. FC Union gilt bei seinen Anhängern als Underdog, als „Oppositionsklub“.

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Und bei der Staatssicherheit als Sammelbecken der Unbequemen.

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Der Fußballklub im Ost-Berliner Arbeiter-Bezirk Köpenick genießt auch im Westen der Stadt einen guten Ruf.

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Als am 18. Februar Union gegen die Blau-Weißen Kicker vom FC Magdeburg spielt, ist auch der West-Berliner Manfred Sangel im Köpenicker Stadion.

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Er trägt die blau-weiße Fankleidung von Hertha BSC.

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Doch blau weiß ist auch die Farbe des gegnerischen Magdeburger Klubs.

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Wir kamen da an und hatten gleich Stress mit Unionern, weil die uns für Magdeburger hielten.

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Nachdem wir dann gesagt haben: Habt ihr ne Macke, wir kommen von Drüben, von Hertha – „Ah, ihr kommt von Drüben, Hertha, super!“

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Schon hatte ich mein T-Shirt nicht mehr an, hatten wir getauscht und ich hatte mein erstes Union-Shirt.

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Es ist der Beginn einer Fußball-Freundschaft über die Mauer hinweg.

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Sie findet ihre Fortsetzung, als Hertha Ende April zum UEFA-Pokal-Spiel gegen Dynamo Dresden fährt.

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Als der Mannschaftsbus in der Elbmetropole eintrifft, wird er bereits von Union-Fans erwartet.

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Für sie ist es eine einmalige Chance, die Hertha-Spieler live zu erleben.

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Die West-Berliner Hertha-Fans kommen mit einem Sonderzug nach Dresden und werden zunächst einmal von Polizeieinheiten empfangen.

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Der Bahnhof war abgesperrt.

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Streckenweise kam ich mir vor wie ein Staatsgast.

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Die hatten aber nur die Sorge, dass wir keinen Kontakt haben.

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Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen kommt es auf den Straßen Dresdens zu Verbrüderungsszenen zwischen den Ost- und West-Berliner Fußballfans.

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Manfred Sangel und viele andere Herthaner wollen an diesem Gemeinschaftsgefühl festhalten.

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Wann immer sie es einrichten können, kommen sie nun zu den Union-Spielen nach Köpenick, um sich mit den „Underdogs“ des Ostens zu solidarisieren.

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Die Schlachtgesänge, na klar: „Eisern Union“. Da sind wir auch drin aufgegangen.

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Und natürlich hat es dann auch Spaß gemacht, mit denen „Ha-ho-he, Hertha BSC“ zu rufen.

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Vor allem, weil du wusstest, du provozierst damit.

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Also das war dann auch ein Protestruf, ein gemeinsamer.

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„Union“ ist ja nicht aufgefallen, wenn da Union spielt.

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Aber wenn da plötzlich aus Hunderten oder Tausenden von Kehlen „Ha-Ho-He“ kommt, dann haben die natürlich alle ihre Alarmglocken angehabt.

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Und sie haben es wirklich nicht geschafft, das zu unterbinden. Und das finde ich einfach toll.

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Ein Slogan lautet „Hertha und Union – eine Nation“.

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Die Fanfreundschaft zwischen Unionern und Herthanern ist auch ein Protest gegen das geteilte Berlin…

